EURO-ECO 2010

Hanover

2 - 3 Dezember 2010

Environmental, Engineering - Economic and Legal Aspects for Sustainable Living

European Academy of Natural Sciences, Hanover

European Scientific Society, Hanover

University of Bremen, Bremen

B.V. Testov DIE WIRKUNG DER RADIOAKTIVEN STRAHLUNG AUF DEN MENSCHLICHEN ORGANISMUS UND DIE EINSCHÄTZUNG DES ÖKOLOGISCHEN RISIKOS
Die Staatliche Universität von Perm, Stadt Perm, Russland

Die Einschätzung der ökologischen Risiken der radioaktiven Strahlung hängt stark von unserer Vorstellung über den Mechanismus der Einwirkung dieser Strahlung auf den biologischen Organismus ab. Heutzutage basiert diese Vorstellung vorzugsweise auf der ionisierenden Wirkung der Röntgen- und Gammastrahlung auf die Atome und Moleküle der Zellen des lebenden Organismus. Die Berechnungen zeigen uns jedoch, dass die für den Menschen tödliche Dosis von 10 gr nur 10-7 Atome, also 7 mg der Masse (gleichmäßig verteilt) eines durchschnittlichen Menschen, ionisieren (zerstören) kann. Eine solche Beschädigung kann keinen Tod eines Menschen verursachen. Gleichzeitig wissen wir alle, dass ein längerer Aufenthalt eines hellhäutigen Menschen unter den Strahlen der Frühlingssonne unweigerlich zum Sonnenbrand führen wird. Die Hautzellen verbrennen und sterben ab, während die Kleidung und andere Gegenstände um uns herum fast kalt bleiben. Also erfolgt die Erwärmung der Hautoberfläche nicht mit Hilfe der Energie der Sonnenstrahlung, sondern mit der vom Menschen selbst erzeugten Energie.

Wenn ein Mensch schrittweise die Sonnenstrahlen genießt, so entsteht die Bräunung, die die Haut vor der zerstörerischen Einwirkung der Sonne schützt. Unter der Einwirkung der Ultraviolettstrahlen produziert die Haut das Pigment Melanin. Das Melanin seinerseits erlaubt es den ultravioletten Strahlen nicht, durch die Haut durchzudringen. Deshalb sind die Bewohner der südlichen Länder wesentlich dunkelhäutiger, und Afrika, wo die Insolation sehr stark ist, die Heimat der Schwarzafrikaner ist. Röntgen- und Gammastrahlung verfügt über wesentlich mehr Energiestärke und dringt daher leichter durch die Hautoberfläche in die Zellen des Organismus durch. Bei der Wechselwirkung mit den Atomen und den Molekülen der Zellen verlieren die Photonen dieser Strahlung die Energie und verwandeln sich in die Photonen der ultravioletten Strahlung. Diese Photonen der ultravioletten Strahlung führen letztendlich die Temperaturerhöhung der Zellen des Organismus herbei.

Die Untersuchungen ergaben, dass die tödliche Strahlendosis einem Tierkörper nur soviel Energie weiterleitet, dass diese Energie eine Körpertemperaturerhöhung um nur 0,002°C verursacht. Die Auswertung der Fachliteratur und unsere Experimente haben gezeigt, dass Röntgen- und Gammastrahlung sogar in Dosen, die Tausend Mal geringer sind, als die tödlichen, zur einer Erhöhung der Körpertemperatur bei Tieren und Menschen um 1-2 °C, führt. Das bedeutet, dass bei der Bestrahlung mit Röntgen- und Gammastrahlen es zu einer Störung der metabolischen Reaktionen kommt, die Zellenwärmeproduktion heftig ansteigt und die Temperatur im Organismus der Tiere sich um 5 °C erhöhen kann. Somit stellen nicht die molekularen und atomaren Beschädigungen die Grundlage für die Strahlungsbeschädigungen bei der Einwirkung der radioaktiven Strahlung dar, sondern die Erhöhung der Wärmeproduktion und die Störung der metabolischen Reaktionen im Organismus. Es wird nun klar, warum die Hyperthermie bei der Bestrahlung den Effekt der Strahlungsbeschädigung immer verstärkt, und die Hypothermie ihn schwächt. Es ist eine bekannte Tatsache, dass niedrige Organismen (z.B. Bakterien, Wasserpflanzen), die aus den selben Atomen bestehen, wie die höheren Organismen, 10 Tausend Mal resistenter auf ionisierende Strahlung reagieren, als Tiere und Menschen. Dies ist verständlich, wenn man berücksichtigt, dass die Intensität des Metabolismus bei den Warmblutern wesentlich höher ist, und sie über eine Art Wärmeisolationsdecke verfügen, die die Ableitung der Wärme in die Außenwelt erschwert.

Bei den Tieren, die sich in den Gebieten mit hohem Strahlungsniveau befanden, konnten wir einen im Vergleich zur Kontrolle verringerten Sauerstoffkonsum registriert.

Diese Feldmessergebnisse konnten wir auch bei den Laborversuchen bestätigen, indem wir die Labormäuse in die Nähe der radioaktiven Strahlungsquelle gebrachten haben. Bei den Feldbeobachtungen registrierten wir die sich verändernde Reaktion der Tiere auf die ständige Bestrahlung durch die Messung der Rektaltemperatur. Die Messergebnisse beweisen die physiologischen Reaktionen der Tiere auf die dauerhafte Bestrahlung. Danach entwickelt sich die Anpassung der Tiere auf die dauerhafte Bestrahlung innerhalb von 3-5 Tagen. Wenn radioaktive Stoffe in den Organismus jedoch mit der Nahrung geraten, so entsteht die Anpassung etwa nach einem halben Jahr. Nach einem halben Jahr passen sich die Tiere und die Pflanzen der dauerhaften radioaktiven Verseuchung des Territoriums an und weisen keine schädliche Einwirkung mehr von der Bestrahlung. Deshalb ist die Rehabilitierung des Territoriums ein halbes Jahr nach einer radioaktiven Katastrophe faktisch sinnlos.

 

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