EURO-ECO 2007

Hanover

4 - 5 December 2007

Environmental and Engineering Aspects for sustainable living

European Academy of Natural Sciences, Hanover

European Scientific Society, Hanover

Russian Academy of Natural Sciences, Moscow



Kosenkova
D. Kosenkova

D. Kosenkova MEDIZINISCH — ÖKOLOGISCHE SITUATION IN DEN INDUSTRIEGEBIETEN (AM BEISPIEL MANSFELDER LAND IN DEUTSCHLAND UND ZENTRALKOLA IN RUSSLAND)
Moskauer Staatliche Lomonossov-Universität, Moskau, Russland

In der Arbeit werden die Probleme der Ökologie des Menschen in den Industriegebieten Ostdeutschlands (Mansfelder Land) und des europäischen Nordens in Russland (Zentralkola) aufgezeigt und diskutiert.

Die historisch gewachsene und gegenwärtige industrielle Nutzungsstruktur in den untersuchten Gebieten hat äußerst negative Veränderungen der Umwelt verursacht, die den Gesundheitszustand der lokalen Bevölkerung beeinflusste. Diese Untersuchungsgebiete gehören heute zu den am meisten umweltgeschädigten Orten Russlands und Deutschlands. Die verarbeitende Industrie im Zweig Buntmetalle konzentrierte sich in sozialistischer Zeit in der DDR größtenteils in Hettstedt, Mansfeld und in Russland in Montchegorsk, einer Filiale von Norilsk, die noch heute der größte Betrieb von Buntmetallurgie sind.

Im Verlauf dieser Untersuchung wurden folgende Fragestellungen thematisiert: zum einen die geoökologische Situation der Beispielregionen (Naturbedingungen, sozialökonomische Situation und technogene Einwirkung auf die natürlichen Ökosysteme). Zum anderen wurden Methoden der medizinisch-ökologischen Forschung durchgeführt und auf die Problematik der Industriegebiete bezogen und angepasst. Dabei bildeten die Besonderheit der medizinisch-ökologischen Situation und ihre Widerspiegelung in der Lebensqualität der Bevölkerung einen besonderen Schwerpunkt.

In den Untersuchungsgebieten zeigt sich eine deutlich höhere Lebenszeitprävalenz für Bronchitis, Pneumonien, Kiefer-/Nasennebenhöhlenentzündungen als im unbelasteten Vergleichsareal (Anhalt-Zerbst).

Für die Halbinsel Kola wurde nachgewiesen, dass bei Eingeborenen-Kindern (Saami) hohe Bleikonzentrationen im Blut auftraten, obwohl sie in einer isolierten, ökologisch reinen Siedlung (Krasnoschel‘e) wohnen (36% der Kinder hatten eine grenzwertüberschreitende Bleikonzentration im Blut).

Nach der Wende wurden ökologische Sanierungsprogramme initiiert. Das führte zur drastischen Senkung der Emissionen ortsansässiger Industriebetriebe (in beiden Untersuchungsgebieten) infolge von Betriebsschließungen (besonders in Russland nach der ökonomischen Krise der 90er Jahre) und Umstellung auf emissionsärmere Energieträger und moderne Luftreinhaltetechnik. Im Zuge dessen haben sich viele Parameter des Gesundheitszustands, vor allem die Atemwegsgesundheit, deutlich verbessert.

Biomonitoring für Schwermetalle hat gezeigt, dass die mittlere Belastung des Blutes mit Blei über die Zeit deutlich abgenommen hat. Die Ausscheidung von Cadmium und Arsen im Urin nahm deutlich ab. Die Ergebnisse dieser Analysen weisen darauf hin, dass es sich um eine Veränderung der Morbiditätsstruktur unter kausaler Beteiligung der Luftschadstoffe handelt.

Der Eintritt von Schwebstoffen aus der Luft in den Organismus des Menschen ruft akute und chronische Intoxikationen hervor. Dies prägt sich in erhöhten Indikatoren aller ökologisch bedingten Krankheiten in beiden Untersuchungsgebieten aus.

Die naturräumlichen Unterschiede der Untersuchungsgebiete haben aber auch verschiedene Einflüsse auf die Gesundheit des Menschen. Am Beispiel des Industriegebietes Zentralkola wurde gezeigt, dass das Risiko der negativen Effekte unter dem extremen Klima ansteigen kann. Auch die unterschiedlichen sozial-ökonomischen Prozesse spielen eine wesentliche Rolle. Die Ergebnisse werden kartographisch dargestellt, was eine Raumanalyse ermöglicht.

Es soll noch herausgefunden werden, was die Formierung der medizinischökologischen Situation mehr bestimmt – natürliche Bedingungen oder die von der Nutzungsgeschichte entwickelte ökologische Situation.